Wenn Kinder bei Männern übernachten

Irgendwann schlafen Kinder ja mal bei Freunden. Zumeist organisieren die Mütter das Spektakel wechselseitig. Eine Mutter gibt das Kind ab und hat einen freien Abend. Die andere bespaßt die Brut so gut wie möglich. Beim nächsten Mal läuft es andersherum. Feine Sache, besonders für diejenige, deren Kind aushäusig nächtig. Natürlich wird der Übernachtungsausflug von langer Hand geplant und genauestens besprochen. Es können ja Allergien, Unverträglichkeiten oder sonstige Besonderheiten schnell mal übersehen werden und schon hat man das Theater.

Das Kind wird am Tag des Abenteuers mit einem Köfferchen voller wichtiger Dinge beladen. Man findet in diesem Gepäckstück Schlafanzug, Zahnbürste, Kuscheltier, frische Wäsche für den nächsten Tag in zweifacher Ausführung – einmal für schlechtes, einmal für gutes Wetter – , Bademantel, Schlappen, Lieblingshörspiel, Lieblingsbuch, Lieblings-DVD, Tüte mit Süßigkeiten zum Einschleimen bei den Kindern, Tüte mit Pralinen als Dank für die tapfere Gastgeberin, eigenes Shampoo wegen der empfindlichen Kopfhaut, eigene Zahnpasta, weil alle anderen nicht schmecken, Gummistiefel, Fahrradhelm, Geld für Eventualitäten, Fußballtauschkarten, Mütze oder Sonnencreme.

So präpariert übergibt man sein Kind, verabschiedet sich fröhlich und freut sich auf einen ruhigen Abend. Und in Zeiten von whatsapp muss man sich auch nie besorgt fragen, ob wohl alles klappt, denn man wird in einer Art Livestream von der Gastmutter auf dem Laufenden gehalten. Dieser beginnt, während man noch auf dem Weg nach Hause ist und läuft in etwa immer ab wie folgt:

18.00 Uhr: Wir haben alles ausgepackt. Das Lieblingskopfkissen fehlt. 🙁

18.05 Uhr: Habe altes Kissen von mir genommen. Alles gut. 🙂

18.10 Uhr: Foto der im Matsch spielenden Kinder

18.20 Uhr: Foto der Kinder in der Badewanne mit Schaumkrone auf dem Kopf

18.45 Uhr: Die Kinder gucken gleich noch Sandmann. Ist doch ok, oder? 😉

19.00 Uhr: Selfie der Gastmutter mit lustigem Spaghettischnurrbart – Ich koche. :-)))

19.10 Uhr: Sprachnachricht der Kinder: Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb. Hallooooo, Mamaaaa!

19.25 Uhr: Foto der Kinder mit Schokoladenpudding – Ein bisschen Süßes ist doch nicht schlimm? Hatten wir jetzt gar nicht besprochen.

19.40 Uhr: Gruppenselfie von Kindern mit Gastmutter beim Zähneputzen.

19.45 Uhr: Die Kinder machen eine Kissenschlacht. Hihi. :-)))

20.00 Uhr: Sprachnachricht: Schlaf gut, Mama!

20.15 Uhr: So, habe noch vorgelesen. Jetzt schlafen sie gleich. 🙂

20.30 Uhr: Die sind noch so aufgedreht. Voll süüüß. :-)))

20.45 Uhr: War gerade nochmal kuscheln. Aber jetzt schlafen sie.

20.47 Uhr: Doch nicht. Ich gehe nochmal gucken.

21.00 Uhr: Foto der wachen Kinder.

21.30 Uhr: So, jetzt aber! – Foto der schlafenden Kinder.

22.00 Uhr: Ich gehe jetzt auch ins Bett. Bin total fertig. Aber Du genieß ruhig Deinen freien Abend. Alles gut.

Kurze Atempause für die Mutter, die eigentlich frei hat, aber den Abend mit Lesen von Nachrichten verbracht hat.

5.50 Uhr: Foto der schlafenden Kinder mit Herzchensmiley

6.00 Uhr: Sprachnachricht: Guten Morgen!!! Halloooo, Mamaaa!

6.10 Uhr: Foto der Kinder mit Nutellamund.

6.15 Uhr: Selfie der Gastmutter mit Kaffeetasse.

6.20 Uhr: Die Kinder sehen fern. Ist doch ok? 😉

7.00 Uhr: Mir fällt gerade ein, dass ich ja nachher noch in die Stadt muss. Voll vergessen. Sorry!!!! Kannst Du gegen halb neun hier sein?

So machen Frauen das. Und jetzt aufgepasst! Ich habe festgestellt, dass das auch anders geht.

Nr. 2 hat einen Kumpel, dessen Eltern getrennt leben. Vom Vater, der den Kurzen am Wochenende bei sich hatte, erreichte mich eine kurze Mail. „Kann Nr. 2 bei uns schlafen?“

Äh, wie? Heute? Also jetzt? Ich war verwirrt und rief sicherheitshalber mal an. Ja, natürlich heute, sagte der Vater leicht irritiert. Ok, dachte ich. Warum nicht. Da der Vater ja bestimmt von der Idee der Kinder genauso überrascht war wie ich, fragte ich, ob ich irgendwas zum Abendessen beisteuern könnte. Oder vielleicht zum Frühstück. „Nö, alles schon fertig. Wir grillen, dann gibt es ’ne Milchschnitte. Für morgen hab ich Aufbackbrötchen.“

Aha. Ähm, gut. Da ich immer noch nicht verstanden hatte, dass bei Männern die Dinge anders laufen, fragte ich wieder blöd nach, was ich Nr. 2 denn sonst so mitgeben sollte. Längeres Schweigen. Dann die Antwort: „Zahnbürste wär gut.“

An diesem Punkt hörte ich auf zu fragen, packte dem Kind die Zahnbürste und anstandshalber dann doch noch einen Schlafanzug ein und schickte es los. Der Kumpel wohnt keine fünf Minuten zu Fuß entfernt Ich musste also nichtmal fahren.

Den Rest des Abends sowie den halben nächsten Tag verbrachte ich damit, auf mein Handy zu starren und auf Nachrichten zu warten. Aber nichts! Gar nichts! Auch nachdem ich das Handy für alle Fälle mal neu gestartet hatte: nichts!

Um halb eins des Folgetages kam dann endlich der erlösende Klingelton. Inhalt der Nachricht: Nr. 2 auf dem Heimweg. Bis denne!

Zukünfig dürfen die Kinder nur noch bei tiefenentspannten alleinerziehenden Vätern schlafen! Das war tatsächlich ein freier Abend, der den Namen auch verdient hat!

Und nie wieder werde ich mich darüber beschweren, dass Männer nicht viele Worte machen – ich schwör!

 

 

 

 

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Teilzeit-Öko

Seid Ihr auch solche Teilzeit-Ökos wie ich? Ich esse zwar einerseits Obst und Gemüse aus der Biokiste, fahre dann aber knappe vier Kilometer zur Arbeit mit dem Auto. Ich trenne natürlich den Müll, benutze aber gleichzeitig Mülltüten aus Plastik, damit der Mülleimer nicht dreckig wird. Kennt Ihr das auch? An manchen Stellen lege ich großen Wert auf Umweltschutz und an anderen Stellen bin ich gedankenlos oder bequem.

Neulich wurde mir das besonders deutlich. Wir wollten abends noch schnell einen Salat essen. Wenn schon Fastfood, dann wenigstens gesund. 🙂 Es trieb uns also in den Discounter und jeder von uns suchte sich einen dieser Fertigsalate aus. Zuhause angekommen packten wir die Pracht aus. Zunächst flogen vier Plastikfolien in den Müllbeutel. Dann liegt jedem Paket eine Plastikgabel bei. Die landeten alle vier unbenutzt ebenfalls im Müll, schließlich schmeckt es besser von Metallbesteck. Extrazutaten wie Käse oder Croutons sind auch nochmal in einer Extraplastikschale gelagert, damit sie nicht durchweichen. Wir streuten den jeweiligen Inhalt nun über den Salat und warfen die vier Plastikschalen auf die vier Plastikgabeln. Dann überlegten wir uns, dass diese Plastikumverpackung eigentlich auch nicht besonders appetitanregend ist. Also nahmen wir uns Teller und füllten den Salat um. Die Plastikpackungen landeten bei Gabel und Co. Blieb noch das Dressing. Säuberlich verpackt in Plastiktütchen. Nachdem wir die Soße über den Salat gegossen hatten, landeten auch diese Tütchen im Müllbeutel – der seinerseits logischerweise auch aus Plastik war.

Als mein Blick so auf diesen wirklich großen Berg von Müll fiel, fiel es mir gleichzeitig wie Schuppen von den Augen: Das macht keinen einfach keinen Sinn und wir müssen dringend was ändern!

Und wenn der moderne Mensch was ändern will, was macht er dann? Genau – erstmal googlen. Selbst nachdenken ginge auch, kommt einem aber erst als zweite Option in den Sinn.

Jedenfalls stellte ich schon nach kurzer Zeit im weltweiten Netz fest, dass wir mit dem Wunsch Müll zu vermeiden und Plastik aus unserem Alltag zu verbannen, absolut nicht allein sind. Es gibt zahlreiche Blogs und Bücher zum Thema. Ich hatte Blut geleckt.

Es war sofort klar, dass es unmöglich ist, im Discounter plastikfrei einzukaufen, da dort ja selbst die Biogurke luftdicht eingeschweißt ist. Also wichen wir aus in den Supermarkt nebenan. Obst und Gemüse bekommt man ja ganz gut lose. Aber wenn man zum Beispiel Kirschen kaufen will, muss man diese irgendwie abfüllen, um sie erst wiegen und dann nach Hause transportieren zu können. Und was wird einem da vom Supermarkt zur Verfügung gestellt? Plastiktüten. Böse Falle. Da standen wir nun etwas ratlos. Einen leeren Karton konnten wir in einem Regal ergattern, aber dessen Gewicht wollte ich ja nicht bezahlen. Also bauten wir erstmal eine Kirschpyramide auf der Waage. Den Kunden hinter uns fehlte ein bisschen das Verständnis, aber speziell Nr. 2 und ich hatten eine Mission und ließen uns gar nicht aus der Ruhe bringen. Nach einer gefühlten halben Stunde hatten wir es auch schon geschafft, klebten das Etikett auf den Karton und marschierten zur Kasse.  Mission erfüllt, Plastik umgangen. Allerdings war klar, dass diese Lösung für den nächsten Einkauf optimiert werden musste.

Und an dieser Stelle machte es sich bezahlt, dass ich mich von gelegentlichen spöttischen Bemerkungen meines Mannes in den letzten neun Jahren nicht hatte beirren lassen. Ja, manchmal dauert es eben etwas länger, bis ein Ding zu seinem großen Auftritt kommt. Aber man stelle sich nur mal vor, ich hätte die 25 Meter grünen Dekotüll von unserer Hochzeit voreilig entsorgt! Dann gäbe es jetzt nicht diese wahnsinnig praktischen Gemüsebeutel!

2016-09-02 16.04.58Ok, ich höre schon die ersten Einwände. Diese Beutel sind nicht aus Jute, sondern quasi auch aus Plastik. Aber dafür sehr haltbar und waschbar. Die dünnen Plastiktüten sind ja oft schon kaputt, bevor man damit zu Hause angekommen ist. Hinzu kommt, dass die Beutel fast nichts wiegen. Somit kann ich das Obst im Beutel auf die Waage legen. Als Verschluss nehme ich einfach eine Gefrierbeutelklammer. Wenn es Euch geht wie mir, dann habt Ihr davon ca. 75 Stück in einer Küchenschublade herumfliegen. Auf die Klammern kann man auch gleich das Etikett kleben, denn auf den Beuteln selbst hält es nicht ganz so gut. Dass die Beutel durchsichtig sind, erleichtert es den Kassiererinnen und Kassierern zu kontrollieren, ob drin ist, was auf dem Etikett steht. Übrigens hatte ich damit gerechnet, dass ich an der Kasse Probleme bekommen könnte. Aber nö! Ganz und gar nicht. Falls überhaupt eine Reaktion kam, dann durchweg positiv.

Alles in allem also eine echt gute Lösung. Der einzige Haken: man muss daran denken, die Dinger zum Einkaufen auch mitzunehmen. 🙂

Falls übrigens jemand Interesse an solchen Beuteln hat, der kann sich gerne bei mir melden. Ich habe ja noch weitere 24 Meter Dekotüll im Haus…

Und – wer mich kennt, der ahnt es schon – natürlich war das nur der erste Schritt in Richtung „Nieder mit Plastik und Müll“. Ich halte Euch auf dem Laufenden, was sich bei uns so tut – und würde mich auch über Kommentare oder Anregungen sehr freuen.

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Wie alles begann – der Schwangerschaftstest

Kinder, wie die Zeit vergeht… Zwischen meinem letzten Beitrag und heute ist ja doch die eine oder andere Stunde vergangen. Ich verbringe meine Tage mit Arbeiten für Geld (20 Stunden pro Woche) und Arbeiten aus Spaß an der Freud, ohne Betriebsrat und Kündigungsmöglichkeit (die restlichen 148 Stunden der Woche). Beides bietet zwar gleichermaßen Stoff für ganze Romane, aber leider gibt es da Hindernisse.

Berufliches unterliegt natürlich der Schweigepflicht und Privates unterliegt neuerdings der Zensur. Nr. 1 und 2 haben zwischenzeitlich erfahren, dass es sowas wie Internet gibt und kennen sich verdächtig gut mit sämtlichen elektronischen Geräten in unserem Haus aus. Außerdem haben sie Lesen gelernt – leider, möchte ich bisweilen sagen. Die Wunschzettel für Weihnachten können nicht mehr als post-it an die Küchenfronten geklebt werden, sondern müssen gut versteckt werden. Und jeder kennt wohl die Problematik, dass man manchmal Dinge so gut versteckt, dass sie auch wirklich unauffindbar sind, oder? Naja, da bleibt eben das eine oder andere Geschenk auf der Strecke.

Auch sonstige Nachrichten auf Papier oder Handy müssen entweder verschlüsselt oder politisch sehr korrekt sein, denn sie könnten jederzeit von einem der beiden Kerle entdeckt werden. Sie können das Fernsehprogramm lesen und lassen sich nicht mehr mit einem „Jetzt läuft gerade gar nichts für Euch!“ ins Bockshorn jagen. Ebenso verhält es mit Speisekarten in Restaurants. Die Behauptung, dass es in diesem Laden weder Pommes noch Chicken Nuggets gibt, wird maximal mit einem mitleidigen Lächeln quittiert. Da sie neben dem Lesen auch das Sprechen gelernt haben, bestellen sie sich die Dinger einfach; und das Eis zum Nachtisch gleich mit. Nur beim Bezahlen, da sind Chef und Schatz dann plötzlich wieder gefragt. Irgendwie läuft das nicht gut.

Aber ich komme vom Thema ab. Jedenfalls sind die Nummern 1 und 2 inzwischen soweit bei Verstand, dass sie mitkriegen, wenn wir uns über sie amüsieren. Und oft führt das zu vorwurfsvollen Knatschgesichtern und einem beleidigten: „Das ist gar nicht lustig!“ Doch, ist es wohl! Aber gut. Wir werden es für uns behalten und ich werde nicht darüber schreiben. Aber ich werde mir alles merken für später! Sobald die Kinder gelernt haben, über sich selbst zu lachen, kommt hier alles auf den Tisch.

Solange muss ich mich wohl auf mich sebst konzentrieren. Und da bietet sich ja auch genug Stoff. Allein die Dinge, die mir während der Schwangerschaften so passiert sind… Ich fang mal ganz vorne an, denn das Ganze ging direkt schon leicht irritierend los. Eines schönen Tages war ich sicher, dass ich schwanger war. Die Mütter unter den Lesern kennen das vielleicht. Männer und Nicht-Mütter werden fragend die Augenbrauen heben. Jetzt war der Verursacher meines Zustandes auf dem Sprung zu einer längeren Dienstreise. Zeit für die Vereinbarung eines Arzttermines blieb also nicht und ich hatte Zweifel, dass ihn meine Behauptung „Ich weiß es eben!“ überzeugen würde. Schließlich ist er ein Mann und ich erwartete oben genannte Reaktion. Was macht man da? Man geht in die Apotheke und kauft einen Schwangerschaftstest. Dort stand ich also und die Apothekerin fragte, welche Marke ich denn wünschte. Äh, häh? Keine Ahnung. Gibt es da Unterschiede? Mir doch schnurz. Hauptsache schnell und eindeutig. Mein ratloser Blick veranlasste die Dame zu ihrer nächsten Bemerkung: „Ach, wissen Sie, ich gebe Ihnen mal diesen hier. Den nehme ich auch immer.“

Wie jetzt – „immer“? Da habe ich Fragen. Ich dachte, dass man Schwangerschaftstests eher sporadisch kauft. In meinem Fall zum Beispiel genau zweimal. Beweisstück Nr. 1 und Beweisstück Nr. 2. Fertig. Ich stellte mir die Dame beim Einkaufen vor: „Was brauche ich denn: Brot, Butter, Obst, Wurst… Ach, jetzt hätte ich fast den Schwangerschaftstest vergessen!“ Ich habe kurz überlegt, ob ich da mal genauer nachhake. Aber es gab schließlich Wichtigeres zu tun.

Und nun frage ich mich, wieso bisher niemand eine andere Methode zur Ermittlung des aktuellen körperlichen Zustandes erfunden hat. Da müsste es doch heutzutage eine App für geben. Aber nö. Nix dergleichen. Schwangerschaftstest läuft immer noch ganz altmodisch ab. Im Bad.

Gut, wenn ich gar nicht schwanger sein will, wird mir möglicherweise vor Schreck schlecht. Dann ist es ja praktisch, wenn ich sowieso schon auf dem Klo hocke. Ist die Sauerei besser zu beseitigen. Aber in meinem Fall handelte es sich ja um ein freudiges Ereignis. (Anm. d. Red. – Dachte ich jedenfalls, solange die Kinder noch Babys waren und ich noch nicht wusste, was mir blüht.) Und einem solchen gebührt doch wohl ein ehrenvoller Rahmen, oder nicht?

Stattdessen sitze ich also heimlich auf dem Klo – nur für den nahezu ausgeschlossenen Fall, dass es doch falscher Alarm war. Da will man ja auch keinen unnötig aufregen. Man fummelt dieses Teil aus der Packung, versucht sich zu konzentrieren, die Spannung steigt und – man pinkelt drauf. Also mal im Ernst! Da muss es doch eine andere Lösung geben! Dass ich Urinproben abgebe, um schlimme Krankheiten zu erkennen, geht in Ordnung. Aber die erste Erinnerung an mein Kind ist jetzt ein rosa Fleck auf einem vollgepinkelten Plastikdingsbums?

Würdevoll ist anders. Ich guck mal, ob ich mich da noch irgendwo beschweren kann und leite das Ganze zur Sicherheit als Aufgabe an „Jugend forscht“ weiter. Damit es meine Kinder mal besser haben! 🙂

 

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Man sollte immer einen Künstlernamen parat haben

Offenbar führen die Kinder, obwohl ich das Gefühl habe, dass sie mir IMMER am Bein kleben, noch ein geheimes Zweitleben. Nur so kann kann es möglich sein, dass bisweilen Dinge passieren, die mir komplett rätselhaft sind.

Eines dieser „Dinge“ ist die Tatsache, dass unsere Nr. 2 Wolli genannt wird. Und diejenigen Leser, die den richtigen Namen des Kindes kennen, werden sich jetzt hoffentlich genauso wundern wie ich. Wie es zu diesem Künstlernamen kam, kann ich leider hier nicht erzählen, denn es ist mir völlig schleierhaft. Für mich beginnt die Geschichte mit dem Tag, an dem Nr. 1 anfing seinen Bruder „Oliver“ zu nennen. (Und diejenigen Leser, die den richtigen Namen des Kindes kennen, werden sich jetzt hoffentlich wieder wundern, so wie ich mich wunderte.)

Und komischerweise reagierte Nr. 2 völlig selbstverständlich mit einem fröhlichen „Ja?“. Als hätte er nie einen anderen – von seinen Eltern liebevoll ausgewählten – Namen besessen. Ich fragte nach, was es damit auf sich habe, bekam aber keine Antwort. Also überlegte ich, welche Gestalt aus Büchern oder Filmen wohl Oliver heißt. Oder andere Kinder? Nachbarn?? Hunde von Nachbarn??? Mir fiel niemand ein. Doch Oliver blieb.

Ich war einigermaßen genervt, denn gefälligst suchen die Eltern die Namen der Kinder aus. Bei allem wollen die Blagen mitdiskutieren, aber der Name war bisher unantastbar. Den haben wir einfach bestimmt. So! Wo kommen wir denn hin, wenn uns auch noch dieser Spaß genommen wird? Die Brut kann sich ja später mal an den eigenen Kindern rächen. So funktioniert das. Aber einfach mittendrin den Namen wechseln? Nein, das gilt nicht!

Dieser Argumentation konnten meine Kinder irgendwie nicht folgen und blieben ungerührt bei Oliver. Und wie das mit Namen so ist, wurde aus Oliver irgendwann Olli. Und weil Olli gerne reimt, sang er Olli-Wolli vor sich hin. Und weil Nr. 1 das lustig fand, übernahm er sofort diese neuerliche Namensänderung. So wurde aus Nr. 2 Wolli.

Aber was echt schräg ist: Wir Eltern haben uns anstecken lassen und nennen dieses Kind inzwischen auch Wolli. Und das ist der Punkt, über den ich mir wirklich Sorgen mache… 😉

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Spruch des Tages #19

Schatz zu Nr. 1: „Guck‘ nicht , so wütend, das gibt Falten auf der Stirn.“

Nr. 1 stutzt, überlegt angestrengt und traut sich dann tatsächlich zu fragen: „Sind Falten das, was Mama hat?“

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Spruch des Tages #18

Die Geschichte von Pinocchio und ein deutsches Sprichwort wurden von Nr. 2 kurz und prägnant wie folgt zusammengefasst:

„Lügen kriegen lange Nasen.“

 

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Kind in Shoppinglaune

In den letzten Monaten, in denen hier nichts passiert ist, ereigneten sich so einschneidende Dinge wie die Einschulung von Nr. 1 und der Arbeitsaufnahme der zugehörigen Mutter. Zusätzlich natürlich der ganz normale Wahnsinn und die Tatsache, dass man als Fußballeltern gefühlte 95% der Freizeit auf irgendwelchen Plätzen verbringt. Jetzt aber ist etwas geschehen, was ich mir hier in einer Art selbststherapeutischem Akt von der Seele schreiben muss. Seit gestern Nachmittag weiß ich, dass ein Gen, welches in meinem biologischen Erbgut sehr unterentwickelt ist, leider durch meinen Mann weitergegeben wurde. Und es bricht sich bei Nr. 1 mit voller Kraft Bahn – das Shoppinggen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich schon das Einkaufen von Lebensmitteln vermeide, wo es geht. Durch Herunterladen einer App, in der ich die zu tätigenden Einkäufe erfasse, kann ich dieses Übel weitestgehend umgehen. Kurz die Liste mit dem Handy meines Mannes synchronisiert und schon hat er den schwarzen Peter. 🙂

Noch viel weniger kann man mich aber mit dem Shoppen von Klamotten locken. Auch hier bin ich in einer dauerhaften Vermeidungshaltung. Die meisten Sachen nähe ich selber. Allenfalls in einem Second-Hand-Laden stöbere ich mal herum. Und Schuhe besitze ich ebenfalls weniger als der angetraute Gatte. Die Bekleidung der Kinder konnte ich bisher durch Nähen oder aber Abstauben von noch brauchbaren Sachen anderer Eltern sicherstellen. Eine Nachbarin schiebt mir in regelmäßigen Abständen Tüten mit Klamotten durch die Tür und die Söhne einer Freundin sind praktischerweise auch immer genau dann aus ihren Sachen rausgewachsen, wenn wir Nachschub brauchen. Prima Sache, hätte von mir aus ewig so bleiben können. An dieser Stelle habe ich jedoch die Rechnung ohne das Shoppinggen von Nr. 1 gemacht.

Er hat die im Folgenden geschilderte Aktion von langer Hand geplant. Und ich bin ihm voll auf den Leim gegangen. Am vergangenen Montag erzählte er mir von zwei Schulkameraden. Der eine habe so tolle Schuhe und der andere einen so kuscheligen Pulli mit Leder auf den Schultern. Das müsse er unbedingt auch haben. Meinen Einwand, dass er doch wohl genug Sachen im Schrank habe, wischte er mit einem beleidigten Blick und der Entgegnung, dass die Hosen zuviele aufgesetzte Taschen hätten und die Pullis sowieso doof wären, vom Tisch. Ach, und die Winterjacke sei übrigens auch eine Zumutung. Aha. Daraufhin versuchte ich der Sache zu entkommen, indem ich überzeugend vorgab, dass ich ihm die Sachen natürlich gerne kaufen würde, aber ja leider nicht wüsste, woher die Jungs sie hätten. Gut, dann würde er das morgen klären, konstatierte Nr. 1

Offensichtlich hat er den beiden Kumpels die Dringlichkeit seiner Nachfrage deutlich machen können, dann am übernächsten Tag kam er stolz mit der Information nach Hause, dass die Schuhe von Deichmann und der Pulli von C&A seien. Die Erleichterung darüber, dass es sich nicht um Thommy Hilfiger und Camel handelte, ließ mich das unüberlegte Versprechen machen, dass wir am Samstag dann mal die beiden besagten Läden aufsuchen würden, wenn Nr. 2 auf einem Geburtstag eingeladen sei und somit aus dem Weg.

Gut. Wir also los, mit dem Papa im Schlepp, um an einem sonnigen Samstagnachmittag die Stadt zu entern. Nachdem wir schon nach ca. einer halben Stunde einen Parkplatz ergattert hatten, stürmte das Kind also Richtung Deichmann, um festzustellen, dass die gesuchten Schuhe nicht mehr da waren. Mir schwante bereits Böses. Allerdings hatte ich eher mit einem Tobsuchtsanfall gerechnet als mit der Eröffnung, dass wir dann eben noch in allen anderen Läden danach suchen müssten. Auf dem Weg ins nächste Schuhgeschäft kamen wir bei C&A vorbei, um auch dort festzustellen, dass der gesuchte Pulli nur noch in Größe 98 vorrätig war. Umpf! Doch ein echter Shoppingteufel lässt sich dadurch nicht entmutigen. Zielsicher strebte er auf ein Paar grüne Jeans zu. Meine Frage, ob wir nicht eigentlich auf der Suche nach einem Pulli wären, blieb unbeantwortet. Stattdessen stellte sich das Kind geduldig in die Schlange vor den Umkleiden, um das Fundstück anzuprobieren. Sie passt, das Kind strahlte, die Mutter zahlte – zwecks Erhalt der positiven Grundstimmung. Gut, dachte ich. Können wir ja dann nach Hause. Von wegen!

„Nö, wir müssen doch noch nach Schuhen gucken.“ Aha. Also stiefelten wir nochmals die Einkaufsmeile hoch und runter, stellten jedoch in allen Läden fest, dass die gesuchten Wildledertreter nirgendwo genau dem Ideal entsprachen oder aber nicht in der passenden Größe vorrätig waren. „Ok, der nächste Laden ist der letzte. Dann haben wir alle durch. Wenn wir die Schuhe da nicht finden, gehen wir nach Hause.“, sagte ich mit strengem Blick und schmerzenden Füßen. Der Vater grinste nur. Pfff. Und das Kind? Stellte mit Profiscannerblick sofort fest, dass auch hier die Schuhe nicht im Angebot waren, und zog daraufhin begeistert ein Paar grauer Turnschuhe aus dem Regal. „Guck mal, die sind doch toll. Und diese grünen Abnäher passen gaaaaanz super zu meiner Hose.“ Häh? Wie kann man denn bitte von Wildledertretern übergangslos hinter Turnschuhen her sein? Während ich noch überlegte, hatte Nr. 1 die Schuhe schon an und rannte damit durch den Laden. „Guck doch mal, Mama, wie schnell die sind.“ Drei Dinge bewogen mich, diese Schuhe zu kaufen. 1. Sie sind halbhoch und gefüttert. Man kann sie also wohlwollend als Winterstiefel durchgehen lassen. 2. Es gab 40% Rabatt auf alles, was den Preis erträglich machte. 3. Ich wollte nach Hause. An der Kasse baten wir die Verkäuferin, die ollen Latschen doch bitte gleich zu entsorgen, worauf die uns eröffnete, dass wir diese in den Sammelbehälter geben könnten. Dann gäbe es nochmals 50 Cent Gutschrift. Nr. 1 war entzückt und meinte, dass er das doch wohl richtig gut gemacht hätte, denn nun hätten wir ja richtig Geld gespart. Hmmm.

Nach Verlassen des Schuhgeschäftes steuerte ich geradewegs in Richtung Auto und Nr. 1 bog wortlos ab und betrat H&M. „Hallo??? Wo willst Du denn hin?“ – „Ja, nach einem Pulli gucken.“ Zu diesem Zeitpunkt war ich schon zu entkräftet, um zu protestieren, und wackelte hinterher. In dem Laden herrschten 45°C und Volksfeststimmung. Ich wurde von einem Strom von halbwüchsigen Menschen erfasst und durch die nur etwa 60cm breiten Gänge zwischen den Kleiderständern geschoben. Widerstand zwecklos. Zwischendurch erblickte ich den Schopf von Nr. 1, der sich mit roten Wangen und glänzenden Augen durch das Gewühl wuselte. Erstaunlich, was die Aussicht von Klamotten bewirken kann, denn normalerweise sind ihm Menschenmassen genauso verhasst wie überheizte Räume und dröhnende Musik. Heute war alles anders. Und tatsächlich kam er nach kurzer Zeit mit einem Pulli im Arm wieder, den er unbedingt haben müsse, weil der so toll zu den Jeans und damit natürlich auch ganz super zu den Schuhen passe, weil die ja auch so fabelhaft aufeinander abgestimmt wären. Der Vater grinst. Ich bin kurz vorm Kollaps. „Pass auf, Kind. Wir kaufen jetzt diesen Pulli. Dann gehen wir und kommen nie wieder. Den nächsten Einkaufsbummel machst Du bitte mit einer der Omas. Du kannst Dir ja zu Weihnachten einen Gutschein von H&M wünschen.“ – „Cool!!! Das geht? Rufst Du die Oma direkt an???“

In der Dunkelheit und völlig entkräftet schleppe ich mich zum Auto. Nr. 1 tänzelt und hüpft mit seinen Taschen am Arm vor mir her. Und das nach fast drei Stunden Rennerei von einem Geschäft ins nächste! Üblicherweise täuscht er schon nach fünf Minuten einen Schwächeanfall vor, wenn es darum geht, dass ich etwas kaufen will. Naja. Ob der fortgeschrittenen Stunde fällt auch das geplante Abendessen ins Wasser und wird durch einen Gyrosteller vom Griechen unseres Vertrauens ersetzt. Das steigert das Entzücken natürlich noch zusätzlich, ist mir aber egal. Ich kann nicht mehr. Mit vollem Mund und glänzenden Augen meint Nr. 1: „Ach, was für ein schöner Tag. Ich ziehe jetzt direkt die Sachen an, damit Nr. 2 sie auch sehen kann.“

Ich wähnte mich mit zwei Jungs in Sicherheit. Dachte, derlei Touren würden mir erspart. Shopping ist schrecklich. Was ist da bloß schief gegangen? Langsam kehrte die Erinnerung zurück. Mein Mann geht recht gerne shoppen. Nach knapp zwölfjähriger Beziehung hat er aber natürlich schon lange aufgegeben, mich mitnehmen zu wollen. Und nun dieser späte Triumph. Wenigstens Nr. 1 schlägt in dieser Beziehung schonmal nachweislich nach ihm! Ich sehe die beiden schon nächsten Samstag wieder gemeinsam losziehen. Vorgeblich auf der Suche nach Schuhen und Pullovern – zurück werden sie mit Hosen, Jacken und Socken kommen. Von mir aus, aber auch ganz sicher OHNE MICH!

 

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Spruch des Tages #17

Nr. 1 kommt aus der Schule, erzählt vom Matheunterricht und erklärt mir, dass es ungerade und gerade Zahlen gibt und welche das sind:

„Zum Beispiel, Mama: 2 ist eine gerade Zahl. Und 3 ist schief.“

🙂

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Da werden Mütter zu Mutanten

Mütter verwenden einen nicht unerheblichen Teil ihrer Zeit darauf, den Sprößlingen in unermüdlicher Endlosigkeit gutes Benehmen beizubringen. Die Regeln des Anstands gelten immer und überall und entsprechend achten Mütter auch immer und überall darauf, dass die Kinder diese lernen und einhalten. Zur Scheibe Fleischwurst an der Metzgertheke gehört untrennbar auch das von Müttern geflüsterte: „Und was sagt man?“ Einem möglicherweise etwas roh fomulierten kindlichen Wunsch folgt sofort ein:“Und wie heißt das Zauberwort?“.

Wir erinnern unsere Kinder permanent daran, dass sie sich bitte nicht vordrängeln, anderen nicht ins Wort fallen, nicht mit vollem Mund reden, nicht die Nase hochziehen, den Rotz aber bitteschön genausowenig am Ärmel abwischen usw. Im Grunde geht die Knigge-Erziehung morgens unmittelbar nach dem Aufstehen los und endet erst, wenn die Kinder nicht mehr gucken, weil sie schlafen. Das ist der Moment, in dem Eltern aus der Vorbildrolle fallen und die Füße auf den Couchtisch legen, während dem Essen fernsehen und Bier aus der Flasche trinken. Wird ja wohl mal erlaubt sein! Sieht ja auch keiner; wir sind ja schließlich zu Hause. Ansonsten sind wir unseren Kindern selbstverständlich immer und überall Vorbild und verhalten uns genau nach den eingeforderten Regeln der Höflicheit und den Formen des respektvollen Miteinanders.

Es sei denn – beim örtlichen Discounter gibt es Kindersachen!!! Dann nämlich werden Mütter zu Mutanten. Und das weiß ich aus persönlicher Erfahrung, denn vor Kurzem war meine Mission: Sneakers für Nr. 1 ergattern, möglichst die coolen in grün, bitte nicht die doofen braunen. Der Discounter öffnet um acht, mein Arbeitsbeginn ist um viertel nach acht. Das zur Verfügung stehende Zeitfenster daher denkbar klein. Die Option, nach der Arbeit dorthin zu fahren, scheidet jedoch komplett aus, denn aus Erfahrung weiß ich, dass normalerweise pro Größe und Farbe genau ein Exemplar zur kaufen ist.

Folglich stehe ich um fünf vor acht mit 17 anderen Müttern vor den noch geschlossenen Glastüren. Dass es sich bei den anderen Damen auch um Mutanten handelt, erkenne ich an der Entschlossenheit in ihrem Blick gepaart mit einer gespielt lässigen Körperhaltung. Ich hoffe, dass möglichst viele meiner Mitstreiterinnen Mädchen haben und deren Jagd sich somit auf die rosa Schuhe beschränkt. Um drei vor acht schlendern wir alle gaaanz unauffällig noch ein Stück näher zur Tür. Und schon um zwei vor acht gehen die Türen auf.

Das trifft uns etwas unerwartet, aber nach einer kurzen Schrecksekunde rennen wir los. Ich überhole eine Frau mit Einkaufswagen und entscheide mich für den Weg links an den Drahtkörben vorbei – in der Hoffnung, dass die Schuhe dort liegen. Mist, tun sie nicht! Die mit dem Wagen hat sich für rechts entschieden und erreicht das Ziel kurz vor mir. Fast stolpere ich in ihren Wagen hinein, den sie mit einem gekonnten Schwung im Gang quer stellt und somit mir und anderen nachdrängenden Kundinnen den Weg abschneidet. Ich werfe mich daraufhin über den Gitterkorb nebenan und kann so blind ein grünes Paar Schuhe ergattern. Treffer! Richtige Größe! Aber – Moment. Die sehen so groß aus. Da nehme ich lieber auch noch eine Nummer kleiner mit. Die blöde Kuh mit dem Wagen war eine Mädchenmama und schiebt mit einem rosa Päckchen ab. Sofort versuche ich in die freie Lücke vorzudringen und pralle dabei mit einer anderen Dame zusammen, die von der anderen Seite kommt. Keine Zeit für Entschuldigungen, da muss ein grimmiger Blick reichen. Mit ausgefahrenen Ellenbogen durchwühle ich die Schuhe und stapele alles, was nicht meine Größe ist als Schutzwall lins und rechts neben mir auf. Und da sehe ich es: das Paar mit der gesuchten Größe. Auch die Hand der Mutter neben mir schnellt nach vorn, greift zeitgleich mit mir zu und – ich entreiße es ihr kurzerhand, drehe mich wortlos um und sprinte zur Kasse. Ganz kurz tut sie mir leid. Aber Rücksicht ist an dieser Stelle nicht möglich. Ich muss in vier Minuten bei der Arbeit sein. Sie hat bestimmt Zeit, um noch eine andere Filiale anzufahren -hoffe ich. Und ansonsten komme ich ja heute Nachmittag wieder, um das Paar zurückzugeben, das nicht passt. Kann sie ja dann nochmal gucken kommen! Pfff. Wer zuerst kommt, malt eben auch zuerst. So ist das im Leben! Ha!

An der Kasse sinkt der Blutdruck langsam wieder auf normal und mir fallen auch all die Regeln wieder ein, deren Befolgung und Beachtung ich von meinen Kindern in allen Lebenslagen erwarte.  Ich begrüße freundlich die Verkäuferin und wünsche ihr im Gehen selbstverständlich einen schönen Tag. Das gehört sich schließlich so. Die alte Dame, die den Einkaufchip nicht in den Wagen bekommt, bedankt sich auch ganz artig für meine Hilfe. Bevor ich mein Auto vor der Arbeitsstelle parke, lasse ich noch den Herrn mit dem Hund über die Straße. Oben treffe ich eine Kollegin, der ich natürlich die Tür aufhalte und einen guten Morgen wünsche.

Gut, dass meine Kinder bei diesen Müttermutationen nicht dabei sind. Sie würden sich mehr als wundern. Aber sagt man nicht, dass in der Liebe und im Krieg alles erlaubt ist? Und wenn der Discounter Kinderklamotten im Sonderangebot hat – das ist für Mütter definitiv sowas wie Krieg. 😉

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Babysprachentrauma

Seit dem Sommer gehören der Kindergartengruppe von Nr. 2 auch Kinder unter drei Jahren an. Das ist ja grundsätzlich auch eine schöne Sache, denn die Kleinen lernen von den Großen und die Großen lernen zu akzeptieren, dass man mit den Kleinen anders umgehen muss. Soweit so gut. Trotzdem gehört dieses System abgeschafft – denn an die Nerven der Eltern hat bei dem Konzept niemand gedacht!

Meine Nr. 2 ist der deutschen Sprache mehr als mächtig. Ich kann mich erinnern, dass eine Freundin einmal sagte, dass es immer wieder erstaunlich ist, wieviel Deutsch am Stück aus diesem kleinen Menschen kommt. Da war er selber noch nicht im Kindergarten. Doch leider spielen sich in den letzten Monaten immer wieder sprachliche Dramen ab. Gerade noch ist er Spiderman. Als solcher in einen wilden Kampf verwickelt, bei dem die Muskeln spielen und die Gegner grammatikalisch korrekt beschimpft werden. Doch mitten im Spiel fällt er auf die Nase.

Und jetzt kommt sie, die unerträgliche Adaption der Babysprache bei Fünfjährigen. Der gefallene Spiderman steht auf, guckt mich mit Kulleraugen an und piepst: „Aua, Mama, hindefalle.“ Ahhhrgh! Das macht mich aggressiv. Ehrlich. Und nach Rücksprache mit anderen betroffenen Mütter, die ansonsten durchaus Herr ihrer selbst sind, weiß ich: ich bin nicht allein. Nein, Horden von Müttern müssen sich mit diesem Problem rumschlagen.

Neulich wurde Nr. 2 nach seinem Namen gefragt. Antwort: „Numme wei.“ Was???? Da könnte ich ausflippen. Wozu habe ich mir die Mühe gemacht? Wozu habe ich stundenlang stumpfsinnige Bilderbücher angeschaut und immer wieder bei jedem richtigen Wort gejubelt: „Ja, toll, das ist ein A-U-T-O. Bravo!“ Wozu das Ganze? Häh? Da sagt das Kind zu mir:“Mama, fahre mitte warze Brummbrumm?“

Ich mein, versteht ihr mich als Mensch? Das ist doch nicht auszuhalten!

Gut, natürlich ist mir klar, dass es sich auch hierbei mal wieder nur um eine Phase handelt. So lernen die Kinder, dass man diese Sprache bei Zweijährigen niedlich findet, bei Fünfjährigen aber nicht. Genauso, wie die Oma nicht stundenlang Fußball spielt, dafür aber gerne stundenlang vorliest. Jedem Alter seine Besonderheiten – das ist wohl das Kapitel der Sozialisation, welches meine Nr. 2 gerade zu erfassen versucht. Aber könnte er das nicht auch durch reine Beobachtung zu tun? Muss er gefühlte 1.000 Mal gucken, wie die Umwelt reagiert, wenn er in die Babysprache verfällt? Muss er mich damit tyrannisieren, zur Weißglut und an den Rande eines Nervenzusammenbruches bringen?

Ach, was rege ich mich mal wieder auf? Es nützt, wie immer, ja doch nichts. Aber selten war eine Phase so nervig wie diese und ich mache drei Kreuze, wenn wir sie überstanden haben.

„Mama, Pipi macht. In Gummitiefel! Nich slimm, oder?“

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